Rückblick 2012

Zwischenbericht vom 22. Dezember 2012

Weihnachtsgruß und Ausblick auf  das Projekt im Jahr 2013

Ca. 3.000 Opfer der dreifachen Katastrophe in der Nordostregion Japans verbringen zum zweiten Mal Weihnachten und den Jahreswechsel in vorübergehenen Unterkünften. Viele von ihnen wissen nicht, ob und wann sie in die Heimat zurückkehren können. Während die betroffenen Menschen in den Provinzen Iwate, Miyagi usw. langsam aber sicher einen Wiederaufbau erfahren, kämpft die Provinz Fukushima um das Überleben.

Leporello_Dekontaminierung

Die japanische Regierung, die betroffenen Kommunen, Bewohner und Helfer versuchen alles, um die verstrahlten Gebiete zu dekontaminieren, um sie so wieder bewohnbar zu machen. Ihre Bemühungen und vorübergehende Erfolge werden durch Niederschläge anschließend zunichte gemacht. Das ist wie ein Katz- und Mausspiel ohne Ende. Fukushima besteht zu 70% aus Wäldern. Wälder zu dekontaminieren ist fast unmöglich. Das größte Problem stellt die Entsorgung des verstrahlten Mülls dar. Es gibt nicht genug Kapazitäten für die Entsorgung bzw. die Aufbewahrung dieses Mülls. Die knapp zwei Millionen Menschen, darunter 300.000 Kinder, in Fukushima sind ohne Perspektive und verzweifelt.
Darum setzen wir unser Projekt „Hilfe für Japan“ auch im neuen Jahr fort. Die nächste Aktion findet vom 23. März bis zum 6. April statt. Da werden abermals 100 Kinder aus Fukushima nach Okinawa eingeladen. Dort sollen sie sich vom Alltagsstress erholen und bei sauberer Meeresluft und gesunder Kost Okinawas wieder zu Kräften kommen.

An dieser Stelle möchten wir, die Deutsch-Japanischen Gesellschaft Dortmund, Ihnen allen, die unser Projekt mit Spenden und tatkräftigen Hilfen unterstützten, für ihre Solidarität ganz herzlich danken. Wir möchten auch ferner der Auslandsgesellschaft NRW e.V. , dem Präsidenten Klaus Wegener, dem Geschäftsführer Martin Loberg, Frau Pascale Gauchard, die in unserem Projektteam für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist, und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre großartige, tatkräftige Unterstützung danken, ohne die unser Projekt unmöglich durchzuführen wäre. Ein besonderer Dank gilt Frau Caroline Bergmann, die sich gleich nach der Katastrophe bei uns meldete und uns ihre Hilfe anbot. Sie richtete uns diesen Blog ein und gestaltet ihn mit ihrer Fachkompetenz, wodurch wir so viele Menschen erreichen konnten.

Wir wünschen Ihnen schöne, friedliche Weihnachten und ein gesundes, zufriedenes Neues Jahr!

Yoko und Horst Schlütermann 

_____________________________________________________________________________

Zwischenbericht vom 28. August 2012

Abschlussbericht vom Sommercamp 2012

Die dritte Aktion im Rahmen des Projekts „Hilfe für Japan“ wurde erfolgreich abgeschlossen. 117 Kinder aus Fukushima haben während des vierwöchigen Aufenthalts auf Okinawa in der großartigen Natur vieles, was sie in ihrer Heimat Fukushima vermissen, erleben können. Die lachenden, glücklichen Gesichter der Kinder bzw. Kommentare der dankbaren Eltern konnte man jeden Tag auf der Homepage der Okinawa Kokusai Jugendherberge verfolgen. Dass diese Aktion auch dieses Mal wieder ein gutes Ende gefunden hat, verdanken wir den reichlichen Erfahrungen unserer japanischen Partner: den Eheleuten Fukushima und deren Mitarbeitern sowie etlichen ehrenamtlichen Helfern. Im Namen aller Spender möchte ich allen, die unser Projekt vor Ort durchführten, meinen Dank aussprechen.
Auffallend waren dieses Mal zwei Krankheitsfälle, deren Symptome denen der  Kawasaki-Krankheit ähneln. Die Ursache dieser Krankheit ist noch unbekannt. Es gibt Ärzte, die sagen, diese Krankheit käme durch die Auswirkung von radioaktivem Cäsium auf den Körper. Im Regenerierungsprozess von durch Strahlen geschädigten Zellen könnte es dazu kommen, dass solche Symptome auftreten z.B. wenn der menschliche Körper durch einen mehrwöchigen Aufenthalt auf Okinawa sauberer Luft, gesunder Kost usw. ausgesetzt ist. Es könnte deswegen auch in Zukunft bei Fukushima-Kindern auf Okinawa häufiger vorkommen. Es ist zu überlegen, ob nicht ein Arzt ständig für die Jugendherberge in Bereitschaft sein sollte.
Es ist uns bewusst, dass die Durchführung dieses Projekts auf Spenden aus Deutschland basiert. 1.5 Jahre nach der dreifachen Katastrophe hat sich die Lage in Fukushima nicht verbessert. Darum werden wir verstärkt unsere Spendenaktion in Deutschland fortsetzen. Ich bitte Sie weiterhin um Ihre Unterstützung.

Fest steht, die nächste und somit vierte Aktion des Projekts „Hilfe für Japan“ findet vom 23. März bis zum 6. April 2013 statt!

_____________________________________________________________________________

Zwischenbericht, 01. Juli 2012

Für den 3. Aufenthalt in Okinawa ist die Auswahl der Kinder nun getroffen: Vom 23. Juli bis zum 20. August werden insgesamt 117 Kinder ihre Ferien  auf Okinawa verbringen. Hier geht es zum Fotoblog live aus Okinawa auf Deutsch und auf Japanisch.

Bei der Auswahl für die 3. Maßnahme wurden diesmal Kinder bevorzugt, die bei der Katastrophe zu Halb- bzw. Vollwaisen wurden, in provisorischen Häusern wohnen, in Orten mit höheren radioaktiven Belastungen wohnen und ferner solche, die bei Ganzkörperuntersuchungen höhere Belastungen vorweisen. Wie bereits angekündigt, werden die TeilnehmerInnen neuerdings gebeten, eine Selbstbeteiligung von 50.000 Yen (ca. 500,- EUR) zu leisten. Ausgenommen sind die Familien, die nach der Katastrophe zu Sozialhilfeempfängern wurden.
Inzwischen erreichte unser Projekt auch in Japan dank des großen Engagements unseres Partners und dank der Medienberichte einen höheren Bekanntheitsgrad, sodass wir immer mehr Hilfsangebote bekommen. Z.B. teilte uns die Provinzverwaltung Okinawa mit, einen Zuschuss von ca. 25.000,- EUR leisten zu wollen. Einige Unternehmen leisten Geld- bzw. Sachspenden. Ferner werden durch die Eltern Busfahrten organisiert, die die Kinder von Fukushima zum Sendai-Flughafen bringen und wieder abholen.
Unser Ziel ist es langfristig Kindern in Fukushima zu helfen, ähnlich dem Projekt für die Tschernobyl – Kinder. Denn man kann davon ausgehen, dass das Endziel der japanischen Regierung, das havarierte AKW Fukushima Daiichi zu entsorgen, wenn überhaupt möglich, noch weitere drei oder vier Jahrzehnte dauert.
Die Problematik zeigt sich durch z.B. bedenklich hohe Messergebnisse der radioaktiven Strahlen über dem Reaktor Block 2. Danach betrug der Wert 880mSv/h. Bekanntlich liegt der Schwellenwert für Bürger unter normalen Bedingungen bei 1 mSv/ im Jahr.

_____________________________________________________________________________

Zwischenbericht vom 30. Mai 2012

Es naht die 3. Aktion im Sommer 2012

Nachdem 111 Kinder aus Fukushima in den Sommerferien 2011 und 108 Kinder in den Frühlingsferien 2012 auf Okinawa ihre Erholungsferien verbringen konnten, planen wir, die Deutsch-Japanische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft NRW e.V., und der japanische Partner, der Okinawa Jugendherbergsverband, nun die dritte Maßnahme. Abermals über 100 Kinder aus Fukushima werden vom 23. Juli bis zum 20. August 2012 nach Okinawa eingeladen.
Unser Partner Herr Seiji Fukushima organisiert Informationsveranstaltungen am 2. und 3. Juni in den Städten Koriyama, Fukushima, Nihonmatsu und Date in der Provinz Fukushima um unser Projekt vorzustellen. Am 4 Juni wird die öffentliche Ausschreibung für das Projekt in verschiedenen Medien Japans bekanntgegeben. Wir erwarten einen Ansturm von Bewerbungen wie die letzten beiden Male.
Nach Gesprächen mit vielen Bewohnern in Fukushima in diesem Frühling und nach gemeinsamen Überlegungen mit dem japanischen Partner haben wir uns entschieden, für die Teilnahme eine finanzielle Selbstbeteiligung einzuführen. Ausgenommen sind Familien, die wegen der Katastrophe zu Sozialempfängern geworden sind.
Wir erwarten auch dieses Jahr eine Unterstützung durch die Okinawa-Verwaltung. Inzwischen haben einige Unternehmen/Organisationen auf Okinawa Unterstützung in Form von Naturalien angeboten.
Wir sind stärker denn je überzeugt, dass unser Projekt für die betroffenen Kinder und auch ihre Eltern nicht nur eine vorübergehende Erholung vom Stress bedeutet, sondern für sie auch einen kleinen Lichtblick darstellt, nicht von der Welt vergessen worden zu sein. Sie stellen fest, dass es Menschen in Deutschland gibt, die an sie denken. Denn vergessen zu werden und ganz allein mit dem Problem leben zu müssen, davor haben viele Bewohner in Fukushima große Angst.
Wir machen weiter. An dieser Stelle möchte ich Ihnen für die geleistete, starke Unterstützung danken und herzlichst bitten, uns weiter zu empfehlen und weiterhin zu unterstützen. Ich danke Ihnen! Yoko Schlütermann

_____________________________________________________________________________

„Grüsse aus Japan“ – Reisebericht von Yoko Schlütermann vom 16.04.2012

Unsere kleine Delegation, bestehend aus dem Präsidenten der Auslandsgesellschaft NRW e.V. Dortmund, Klaus Wegener, und seiner Frau Ruth und dem Vorstand der Deutsch-Japanischen Gesellschaft, Yoko Schlütermann, Vorsitzende, und ihrem Mann Horst, traf am 27. März in Naha, Okinawa, ein. Ziel war es, sich einerseits zu überzeugen, dass es den Ferienkindern aus Fukushima gut geht, aber auch Kontakte zu knüpfen oder auch zu vertiefen und mit unserem Projekt an die japanische Öffentlichkeit zu treten.
Zunächst besuchten wir die Okinawa Kokusai Jugendherberge, in der wir unseren Partner Seiji Fukushima und seine Frau sowie einen Teil der Kinder begrüßen konnten.
Anschließend ging es zu einem gemeinsamen Abendessen mit der Okinawa – Deutschen Gesellschaft. Dabei trafen wir den japanischen Präsidenten Herrn Kamiya und seine Frau. Wir stellten unser Projekt vor und stießen auf große Zustimmung. Man ist bereit, unser Projekt wohlwollend zu unterstützen. Wichtig ist, dass wir die Aufenthaltskosten der Kinder auf Okinawa möglichst senken.
Dies war auch das Thema am nächsten Tag in der Okinawa Präfekturverwaltung. Dort war eine Katastrophenhilfeabteilung eingerichtet worden, die den Katastrophenflüchtlingen hilft, sich hier vorübergehend oder ganz niederzulassen, die den Schulbesuch der Kinder organisiert usw.
Unser Gesprächspartner war der stellvertretende Leiter dieser Abteilung, Herr Ohama. Abgesehen davon, dass die Präfekturverwaltung die Flugkosten der Kinder für diese Frühlingsferien bezahlt hatte, erfuhren wir, dass die Kinder außerdem besondere Ausweise bekommen hatten, mit denen sie kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, eintrittsfrei Museen besuchen konnten usw.. Herr Ohama stellte weitere Unterstützungen in Aussicht.
Am Ende unseres Besuchs auf Okinawa konnten wir am Kap Hedo ganz im Norden der Insel das Zeltlager der Kinder besuchen und feststellen, wie entspannt und selbständig sie sich dort in der unverdorbenen Natur bewegten.

Damit war unsere Mission noch nicht erfüllt. Wir fanden, es reicht nicht allein aus, auf Okinawa für unser Projekt zu werben, sondern wir sollten auch in der Katastrophenregion um Unterstützung bitten. So wurden wir von einem Mitarbeiter eines Ponyhofs in seinem Auto von Tokyo durch die Präfektur Fukushima mitgenommen. Bei unserer Autofahrt durchquerten wir auch das Gebiet der Stadt Iitate. Der mitgeführte Geigerzähler erreichte trotz Auto-Abschirmung ca. 2.5 mikroSv/h. Die Stadt und die landwirtschaftlich genutzte Umgebung sind stark verstrahlt, sodass sie evakuiert werden mussten. Das Gebiet gilt als Hot Spot außerhalb der 20 km Zone. Unsere Autofahrt ging bis zum Sperrgebiet südlich von Minami Soma, streckenweise nicht stärker radioaktiv belastet als in Deutschland. Das durch den Tsunami verwüstete Küstengebiet ist inzwischen vom Müll freigeräumt. So bietet sich nun eine gespenstisch, leere Ebene, in der hier und da noch die Reste von Betonhäusern stehen.
Vor Ort hatten wir ein Gespräch mit einer Abgeordneten aus dem Stadtrat von Minami Soma. Sie hatte ihre Kinder beizeiten in den Norden von Honshu, nach Aomori, in Sicherheit gebracht. Die Familie lebt jetzt getrennt. Hier und da bilden sich sehr engagierte Selbsthilfegruppen, die bereits versuchen den Boden zu kultivieren. Vor allem muss der Boden entsalzt werden. Aufschlussreich war ein Gespräch mit den Vertreterinnen einer Bürgerinitiative zum Schutz der Kinder vor Strahlenschäden. Dort trafen wir auch eine Mutter, deren Sohn durch unser Projekt nach Okinawa gekommen war. Sie fand, dass er nicht nur gut erholt, sondern auch viel selbständiger zurückgekommen sei.
Mehrere ausführliche Gespräche mit dem Vorsitzenden des Jugendherbergsverbandes der Präfektur Fukushima, Herrn Amida, und dem Jugendherbergsleiter der JH Atoma der Stadt Fukushima, Herrn Hirano, führten zu der Erkenntnis, dass man die Eltern der durch unser Projekt begünstigten Kinder anteilmäßig je nach Hilfebedürftigkeit an den Kosten beteiligen sollte. Zurück in Tokyo besuchten wir heute eine durch eine Bürgerinitiative eingerichtete Messstation für radioaktive Strahlung. Hier können Bürger Lebensmittel zur Kontrolle radioaktiver Kontaminierung untersuchen lassen. Inzwischen gibt es davon 80 Messstationen in ganz Japan, vorwiegend in Fukushima. Man kam einhellig zu der Einsicht, dass nicht alle Lebensmittel aus Fukushima verstrahlt sind. Wenn die Kontrollen konsequent durchgeführt würden und die Leute davon überzeugt wären, könnten mehr Produkte aus Fukushima in den Handel kommen. Das würde der Region Fukushima sehr viel nützen. Letztlich würde das auch unserem Projekt dienen.

_____________________________________________________________________________

Vom 24. März bis zum 5. April 2012 fand die zweite Aktion statt:
Abermals flogen über 100 Kinder aus Fukushima für die Frühlingsferien nach Okinawa!

Zum Fotoblog geht esHIER:

_____________________________________________________________________________

Zwischenbericht vom 01.01.2012

Zur aktuellen Situation

Die aktuelle Lage in Fukushima hat sich seit dem letzten Bericht kaum geändert und bleibt nach wie vor ernst. Es kam eine neue schlechte Nachricht aus Tochigi und Gunma, den Nachbarpräfekturen von Fukushima. Sie galten bisher als unbedenklich, was die Radioaktivität angeht. Es wurde aber kürzlich in den Flüssen, Flussbetten, Seen und im Grundwasser teilweise starkes radioaktives Cäsium gemessen (bis zu 17.000 Bq/kg). Die beiden Präfekturen gehören zu den wichtigsten Agrarregionen in der Kanto-Ebene neben der durch die Katastrophe betroffenen Tohoku-Region.

Zum Projekt

Wir werden das Projekt „Hilfe für Japan“ im Jahr 2012 fortsetzen. Es sind bereits einige Informations- und Benefizveranstaltungen geplant. Wir bitten Sie, uns weiterhin zu unterstützen und unsere Veranstaltungen zu besuchen.  Die nächste Aktion für Kinder aus Fukushima findet vom 24. März bis zum 5. April 2012 statt. Da werden abermals 100 Kinder aus Fukushima nach Okinawa eingeladen. Unser japanischer Partner, Herr Seiji Fukushima, hat bereits mit den Vorbereitungen angefangen.
Der Präsident der Auslandsgesellschaft NRW e.V., Klaus Wegener, und der Vorstand der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Dortmund planen in diesem Frühling eine Reise nach Okinawa. Ziel der Reise ist es, sich nach einem Jahr über den Stand und die Fortführung des Projektes mit unseren Partnern zu besprechen. In dieser schwierigen Zeit für die Betroffenen in Japan möchten wir natürlich auch den japanischen Partnern, Helfern und natürlich den Kindern aus Fukushima Grüße aus Deutschland im Namen aller Spender und Beteiligten persönlich überbringen. Die Kosten für die Reise tragen die Teilnehmer selbst.

Advertisements