Rückblick 2011

Zwischenbericht im Dezember 2011

Vielen herzlichen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung!

Deutsch-Japanische Gesellschaft Dortmund in der Auslandsgesellschaft NRW e.V., Vorsitzende Yoko Schlütermann

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Zwischenbericht vom 01.11.2011

 Aktuelle Situation –
Bilanz ca. 8 Monate nach der dreifachen Katastrophe

  • Ca. 20.000 Menschen haben ihr Leben verloren.
  • Schaden an Häusern: 114.000 Totalschaden, 683.000 Teilschaden.
  • 158.000 Menschen haben die Arbeit verloren.
  • Über 80.000 Menschen leben noch in provisorischen Häusern. (Damit ist 94% des Bedarfs gedeckt.)
  • 43 Reaktoren sind zur Zeit außer Betrieb. Sie sind teilweise wegen der Katastrophe und der regelmäßigen Wartungsarbeiten vorübergehend abgeschaltet. Außerdem hat die Regierung nach der Katastrophe für alle AKWs einen Stresstest angeordnet. Bis zum Jahresende werden über 90% der AKWs stillstehen.
  • Ca. 3000 Mitarbeiter des AKW-Unternehmens TEPCO arbeiten tagtäglich in den Anlagen, z.B. an den Filteranlagen zur Dekontaminierung des radioaktiv belasteten Kühlwassers usw. Inzwischen gibt es über 6 bzw. 97 Mitarbeiter, die über den Schwellenwert von 250mSv/J. bzw. 100mSv/J. hinaus verstrahlt wurden.

Wiederaufbauplan

  • Laut Regierungserklärung dauert es 3 Jahre bis zur Entsalzung des durch Tsunami beschädigten Bodens (ca. 20.000 ha.).
  • Laut Regierungsplan wird ein Zwischendepot für radioaktiv belastete Böden und Müll innerhalb der nächsten 3 Jahre in Fukushima eingerichtet. Dort soll der Müll für ca. 30 Jahre eingelagert werden. Für ein Endlager gibt es noch keinen Plan.

Plan für Entsorgung des AKWs in Fukushima

  • Kühlen des Reaktors unter 100℃ und Dekontaminierung des Kühlwassers bis zum Jahresende?
  • Entfernen der geschmolzenen Brennstäbe aus dem Druckbehälter (10 Jahresplan).
  • Mind. 30 Jahre bis die AKWs zerlegt und entsorgt werden können.

 Untersuchungergebnisse der radioaktiven Belastung von Kindern

  • 15 Kinder von 6 bis 18 Jahren aus Fukushima haben vor Kurzem Urinproben abgegeben, wobei bei allen das radioaktive Cäsium festgestellt wurde. Bei den Kindern, die nach Mai bis zur Untersuchung im Juli aus Fukushima weggezogen sind, ist der Wert gringfügig gesunken, während der Wert bei den in Fukushima verbliebenen Kindern unverändert blieb. (7. Sep.)
  • 527 Kinder zwischen 6 und 15 Jahren aus Minamisoma/Fukushima wurden untersucht. Ca. die Hälfte von ihnen wies eine radioaktive Belastung von Cäsium 137 auf (10 – 35 Bq/kg Körpergewicht).
  • Bei 10 von 130 Kindern bis 16 Jahre, die auf Schilddrüsenfunktion untersucht wurden, hat man zu niedrige Hormonwerte festgestellt. Die Regierung hat darauf hin angeordnet, dass alle Kinder dieser Altersschicht in Fukushima für die nächsten 30 Jahre regelmäßig untersucht werden.

So lange werden die Menschen dort der Radioaktivität ausgesetzt sein. Darum wollen wir die Kinder aus Fukushima in den Ferien nach Okinawa einladen!

Das Projekt

Nachdem unsere erste Aktion erfolgreich verlief und 111 Kinder aus Fukushima sich in den Sommerferien 4 Wochen lang auf Okinawa erholen konnten, sind wir, die DJG-Dortmund, mehr denn je überzeugt, dass wir auf dem richtigen Kurs sind. Hier der Eindruck eines 9 jährigen Jungen, der mit den anderen 110 Kindern im Rahmen unseres Projekts auf Okinawa war:

„An die lieben Menschen in Deutschland!
Dank Eurer Unterstützung konnte ich nach Okinawa kommen. Ich bin hier so glücklich. Auf Okinawa ist so viel Natur und die Luft ist sauber. Ich werde viel von dieser sauberen Luft auf Okinawa einatmen und mit 100 facher Kraft nach Fukushima zurückkehren und vielen Menschen in Fukushima, die nicht nach Okinawa kommen konnten, meine Kraft geben. Vielen herzlichen Dank, dass Ihr für uns so viel Geld gesammelt habt. Solltet Ihr in Not geraten, sind wir für Euch da. Wir werden unser Bestes für Euch tun. „ Shura Ishizaki, 9 Jahre

Die nächste Aktion findet in den Frühlingsferien, vom 24. März bis zum 5. April 2012, statt. Da werden abermals ca. 100 Kinder aus Fukushima nach Okinawa eingeladen.

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Zwischenbericht, 20. August 2011

Zur Situation vor Ort

Die Bilanz der Katastrophe bis zum heutigen Tag: 15.700 Tote und 4600 Vermisste. Schaden an Häusern: 114.000 Totalschaden, 150.000 zu 50% und 533.000 Teilschaden.
Ein großes Hindernis für den schnellen Wiederaufbau der Städte in den Katastrophengebieten stellt nach wie vor hoch radioaktiv belasteter Schutt und Katastrophenmüll dar. Es soll bis zu drei Jahre dauern, bis man all das beseitigt hat, dann erst kann man mit dem Wiederaufbau anfangen. Laut eines mittelfristigen Städte-Wiederaufbauplans der staatlichen Atomenergiekommission soll es 10 Jahre dauern, bis die Arbeit überhaupt aufgenommen werden kann, die geschmolzenen Brennstäbe aus den AKWs herauszuholen, dann erst können die AKWs zerlegt und beseitigt werden, was weitere Jahrzehnte dauern wird. So lange werden Menschen in Japan, insbesondere in Fukushima der Radioaktivität ausgesetzt sein.

Zum Projekt

Am 26. Juli 2011 flogen 111 Kinder aus Fukushima für vier Wochen auf Okinawa. Sie danken allen Spendern und Unterstützern in Deutschland für die außergewöhnliche Solidarität. 

Auf obigem Foto halten die Kinder die japanische Nationalflagge mit ermutigenden Eintragungen von Besuchern der Benefizveranstaltung am 18. Juni in der Auslandsgesellschaft NRW e.V., die von „Do hilft Japan“ initiiert und federführend organisiert wurde. Auch die 1000 Kraniche, die von den Schülerinnen und Schüler der Dortmunder Erich-Kästner Grundschule gefaltet wurden und die Kärtchen von der Klasse 6c der Realschule Sundern haben sie erhalten (vorne auf dem Bild).

Dankesbrief und Appell der 14-jährigen Sayaka Watanabe (Okinawa, den 22.08.2011) gelesen von Katharina Kaufmann

Wir, die Deutsch-Japanische Gesellschaft, haben uns mit einem Spendenaufruf am 15. März an Dortmunder Bürger gewandt und am 18. März haben wir ein Projekt mit dem japanischen Partner, dem Okinawa-Jugendherbergsverband ins Leben gerufen.
Jetzt sind 111 Kinder aus Fukushima da. Nach der Ausschreibung am 1. Juni gingen in Japan über 700 Anmeldungen ein. Wir konnten leider nur 111 Kinder in der Jugendherberge Okinawa aufnehmen. Über diesen Blog können Sie jeden Tag den Bericht über die Kinder auf Japanisch und Deutsch verfolgen. Dass sie von den Ferien auf Okinawa total begeistert sind, nachdem sie über 4 Monate gar nicht draußen spielen konnten und einen Mundschutz tragen mussten, ist verständlich und man sieht es den Gesichtern der Kinder an. Bilder sagen alles.
Dass ihre Eltern auch so glücklich sind, lesen Sie im folgenden Kommentar einer Mutter, deren Tochter gerade auf Okinawa ist:

Den Menschen in Deutschland und der Jugendherberge Okinawa Kokusai möchte ich von Herzen danken. Es gibt nichts, was mir so viel Freude bereitet wie glückliche Gesichter der Kinder zu sehen, die in diesem Sommer zum ersten Mal im Meer schwimmen können. Die Kinder sind seit mehreren Monaten über den Schulbesuch hinaus kaum aus dem Haus gegangen und haben immer einen Mundschutz tragen müssen. Dass sie die nächsten vier Wochen so leben können, ohne sich über die radioaktive Strahlung Gedanken machen zu müssen, dafür bin ich voller Dankbarkeit. Vorhin hat mich meine Tochter angerufen und gesagt: Mama, ich möchte hier auf Okinawa wohnen! (28. Juli 2011)

Caritas International unterstützt unser Projekt!

Der Caritas International-Verband hat uns zugesichert, unser Projekt finanziell zu unterstützen. Mit seiner Hilfe konnte sichergestellt werden, dass wir das Projekt in diesen Sommerferien 2011 durchführen konnten.
Aufgrund der dramatischen Situation vor Ort (siehe Bericht zur Situation) möchten wir dieses Projekt fortsetzen, so lange unsere Finanzmittel aus dem Spendenaufkommen und zusätzlichen Spenden vom Caritas International es uns erlauben. Das nächste Ziel ist, in den nächsten Schulferien im März 2012 für zwei Wochen abermals ca. 100 Kinder aus Fukushima nach Okinawa zu holen.
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Zwischenbericht vom 05. Juli 2011

Zur aktuellen Situation in den Katastrophengebieten

Am 11. März um 14: 46 Uhr kam das Erdbeben der Stärke 9 auf der Richterskala. Die Bilanz bis zum heutigen Tag: ca. 23.000 Tote und Vermisste und 90.000 Menschen leben noch in Notunterkünften. Sie leben unter den einfachsten Bedingungen und teilweise ohne Grundversorgung. Die Regenperiode, die im Süden Japans so viel Niederschläge und Zerstörungen gebracht hatte, hat nun das Katastrophengebiet erreicht, sicher ist, dass der Sommer danach in voller Stärke kommt. Das Thermometer klettert dann über 35 ℃ in vielen Städten und es wird sehr schwül. Die Menschen in Notunterkünften haben weder Klimaanlagen noch Kühlschränke, sie können die Fenster nicht ganz weit öffnen, da Fliegen und Mücken herein kommen. Es kommt immer wieder zu Nachbeben.
Jeden Tag erreichen die Menschen in Japan Hiobsbotschaften aus Fukushima. So z.B. habe man jetzt in den Bodenproben von 11 verschiedenen Orten in Fukushima radioaktives Strontium 90, das in Knochen von Menschen, insbesondere von Kindern, absorbiert wird und eine Halbwertszeit von 29 Jahren beträgt, gefunden (250 Becquerel/kg). Ferner wurde die Radioaktivität über 1 mSv/h an 372 Stellen von insgesamt 1700 Messstellen in den Höfen von Kindergärten und Schulen der Präfektur Fukushima festgestellt. Die betroffenen Kommunen sind dabei, die kontaminierte obere Erdschicht abzutragen. Den höchsten Wert wies die Stadt Fukushima mit 3.1 mSv/h auf. Die Stadt hat sich entschieden, an alle 34.000 Kinder unter 15 Jahren Plaketten-Dosimeter zu verteilen, so wie es die Stadt Date bereits mit 8000 Kindern getan hatte.
Zur Zeit dürfen Kinder in vielen Städten der Präfektur Fukushima nicht so lange oder gar nicht draußen spielen. Die öffentlichen Freibäder bleiben geschlossen. Türen und Fenster der Schulen bleiben aus Angst vor Verstrahlung während des Unterrichts geschlossen und das ohne Klimaanlagen.

Zum aktuellen Stand des Projekts

Ab dem 26. Juli: 107 Kinder aus Fukushima für ca. 4 Wochen auf Okinawa !

Wir, die Deutsch-Japanische Gesellschaft, haben uns mit einen Spendenaufruf am 15. März an Dortmunder Bürger gewandt und am 18. März haben wir ein Projekt mit dem japanischen Partner, dem Jugendherbergsverband der Präfektur Okinawa ins Leben gerufen.
Wir wollen Kinder und Jugendliche nach Okinawa bringen, das weitgehend frei von Erdbeben und radioaktiven Strahlen ist. Dort können sich die Kinder im Freien so lange aufhalten und baden wie sie wollen und ohne Mundschutz herumlaufen. Die Kinder werden dort den wegen der Katastrophe ausgefallenen Unterricht nachholen. Dazu haben sich einige Lehrer bereit erklärt – ehrenamtlich versteht sich. Sie werden von Mitarbeitern der Jugendherberge Okinawa Kokusai und 20 Betreuern rund um die Uhr betreut. Inzwischen haben einige Institutionen und Firmen auf Okinawa ihre Unterstützung angeboten, so z.B. können die Kinder kostenfrei mit der Einschienenbahn fahren, Museen besuchen oder auch in einer Ananas-Plantage so viel Ananas essen wie sie mögen.
Sie können sich so von der Katastrophe erholen und vor allen Dingen bei gesunder Kost ihr Immunsystem stärken. Die Okinawa-Bewohner haben die längste Lebenserwartung innerhalb Japans.

Am ersten Juni wurde die Ausschreibung für unser Projekt in den japanischen Medien wie TV- und Radio-Sendern und Zeitungen bekannt gegeben. Innerhalb einer Woche gingen über 700 Anmeldungen ein. Es stehen die ersten 107 Kinder jetzt fest, die ab dem 26. Juli für ca. 4 Wochen nach Okinawa fliegen können. Das sind 85 Grundschüler, 18 Mittelschüler und 4 Oberschüler. In dieser Zeit sind die Kinder bei verschiedenen Aktivitäten auf dem Blog zu sehen, der durch unseren Partner auf Okinawa auf Japanisch und Deutsch eingerichtet und über unseren Link erreichbar sein wird.
Der Caritas International-Verband hat sich für unser Projekt interessiert und uns bereits positive Signale für die finanzielle Unterstützung geschickt. Mit seiner Hilfe wird sichergestellt, dass wir die Maßnahme in den kommenden Sommerferien 2011 durchführen können.

Wir wollen dieses Projekt fortsetzen, so lange unsere Finanzmittel es uns erlauben. Wir streben Ferienaufenthalte ähnlich wie nach dem Tschernobyl-Modell an. Wenn uns das gelingt, können wir von einem Pilotprojekt für Japan ausgehen.

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Zwischenbericht vom 26. Mai 2011

Allgemeine Situation in den Katastrophengebieten und Anpassung des Projektes

Zur aktuellen Situation in den Katastrophengebieten

Zum heutigen Zeitpunkt gibt es ca. 24.000 Tote und Vermisste. Am meisten in der Miyagi-Präfektur mit ca. 9.000, gefolgt von der Iwate-Präfektur mit ca. 4.400 und schließlich gefolgt von der Fukushima-Präfektur mit ca. 1.500 Toten. Es gibt ca. 180 Kinder, die einen oder beide Elternteile verloren haben. Der größte Teil ist von der Verwandschaft und ein kleinerer Teil von Kinderheimen aufgenommen worden.
In Notunterkünften in 18 Präfekturen leben insgesamt über 110.000 Menschen unter den einfachsten Bedingungen und teilweise ohne Grundversorgung. Auch anderen Menschen geht es nicht viel besser, die bei den Katastrophen ihre Häuser nicht verloren haben, denn oft ist die Grundversorgung nicht gewährleistet, vielfach ist die Kanalisation zerstört. Außerdem kommt es häufig zu Nachbeben. Ca. 106.000 Menschen haben durch die Katastrophe ihren Arbeitsplatz verloren.
Es gibt viele Menschen, die trotzdem in der Nähe der Heimat bleiben wollen. Es sind dafür viele Gründe zu vermuten, wie aus Liebe und Solidarität zur Heimat. Die Menschen in den Katastrophengebieten gelten außerdem als besonders bodenständig, so dass sie um jeden Preis dort bleiben wollen, wo sie bisher gelebt haben. Viele von ihnen sind Fischer und Bauern.
Dazu kommen natürlich praktische Überlegungen, warum man da nicht weg will. Man will z.B. die Arbeit, die man glücklicherweise noch hat, nicht verlieren, oder wegen des Entschädigungsanspruchs kann man nicht wegziehen. Abgesehen davon kann man an der Verlosung der vom Staat gebauten provisorischen Häuser nicht teilnehmen.
Ein besonderes Problem stellen die Kinder dar. Der Zusammenhalt in der Familie ist verständlicherweise besonders in solchen schwierigen Zeiten notwendig. So wollen nur wenige Eltern ihre Kinder evakuieren.
Es kommen aber jetzt tagtäglich immer schlimmere Nachrichten über die Lage der Fukushima-AKWs ans Licht. Das hat viele Bewohner  wachgerüttelt. Die Situation hat sich derzeit so zugespitzt, dass der Strahlenschutz-Beauftragte des Premierministers mit dem Argument zurückgetreten ist, er könne nicht verantworten, dass Kinder dem so hoch angesetzten Schwellenwert radioaktiver Strahlung ausgesetzt seien. Das war ein erster mutiger Schritt.

Zum aktuellen Stand des Projekts

Unter Berücksichtigung dieser neuen Situation in Japan haben wir, die Deutsch-Japanische Gesellschaft Dortmund in der Auslandsgesellschaft NRW e.V., nach Beratung mit dem japanischen Partner, dem Jugendherbergsverband der Präfektur Okinawa, beschlossen, das Projekt den japanischen Gegebenheiten anzupassen und als ersten Schritt 100 Kinder/Jugendliche aus der Präfektur Fukushima in den Sommerferien nach Okinawa zu holen. Dort sollen sie sich vom Stress erholen und durch Aktivitäten im Freien Lebenskraft sammeln und ihr Immunsystem stärken. Wir wollen Kinder auch in den nächsten Frühlingsferien nach Okinawa holen. Es werden ca. 200 Kinder sein, die dann in der Jugendherberge Okinawa Kokusai untergebracht werden.
Wir wollen diese Aktion in Zukunft weiter führen, so lange es finanziell machbar ist. Das Modell „Kinder aus Tschernobyl“ schwebt uns dabei vor.

Die katastrophale Situation in Fukushima hat gerade angefangen und man kann das Ausmaß und die Dauer der Folgen des Reaktorunfalls noch gar nicht absehen. Daher sind wir weiter auf Spenden angewiesen. Bitte unterstützen Sie unser Projekt weiterhin.

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Zwischenbericht vom 12. April

Zur aktuellen Situation in den Katastrophengebieten

  • Es gibt zum heutigen Zeitpunkt noch über 14.000 Vermisste neben den 13.000 Menschen, die den Tod gefunden haben. Viele Leichen sind noch nicht identifiziert. Die Zahl der durch die Katastrophe verwaisten Kinder wird auf 70 geschätzt. Aber man geht davon aus, dass die Zahl mindestens doppelt so hoch liegt, da viele Eltern noch als vermisst gelten. Die Kinder müssen jetzt in der Behörde registriert werden und ihre Verwandtschaft muss ausfindig gemacht werden. Diese Arbeit geht nur ganz mühsam voran, da viele Verwaltungsgebäude beschädigt oder gar von den Tsunami-Wellen weggespült wurden. Die Verwaltung funktioniert noch nicht optimal.
  • Es sind zur Zeit 153.800 Menschen in den Notunterkünften der betroffenen drei Präfekturen untergebracht. Sie leben unter den einfachsten Bedingungen in totaler Ungewissheit. Sie wissen nicht, ob ihre Familie, Verwandten oder auch Freunde noch am Leben sind und wenn ja, wo sie sind. Unter ihnen sind auch Menschen, die im Umkreis von 30km von den Reaktoren wohnten und evakuiert wurden. Auch sie wissen nicht, was mit ihnen jetzt passiert, ob sie wieder die Notunterkunft wechseln müssen, die noch weiter von den Reaktoren liegen, oder ob sie jemals zur Heimat zurückkehren können.
  • Die Menschen, die den Verlust der Familienangehörigen oder Verwandten zu beklagen haben, denken oft nicht daran, von der Heimat weit weg zu ziehen, da ihre Vermissten evtl. unter den Trümmern begraben sein könnten. Japaner glauben, wenn Verstorbene nicht richtig bestattet wurden, finden ihre Seelen keine Ruhe. So wollen sie mindestens so lange in der Nähe bleiben, bis sie die Gewissheit haben. Das kann noch lange dauern.
  • In dieser schwierigen Zeit können sie im Moment nicht daran denken, nur die Kinder in einen anderen Ort zu schicken, auch wenn der Ort für die Kinder eine Sicherheit bietet. Sie wollen zusammen bleiben.

Zum aktuellen Stand des Projekts

  • Obwohl die Lage in den Katastrophengebieten äußerst schwierig ist, werden wir, die DJG-Dortmund in der Auslandsgesellschaft NRW e.V., in Zusammenarbeit mit dem japanischen Partner alles tun, was in unserer Macht steht. Unser japanischer Partner hat bereits mit Hilfe der Präfektur Okinawa zu allen Verwaltungen in den Katastrophenregionen Kontakt aufgenommen. Er hat zu vielen Kinderheimen und Organisationen, die sich um Waisenkinder kümmern, Kontakt aufgenommen. Alle sagen aber, man müsste sich gedulden. Alle seien dankbar für das tolle Angebot, aber man müsste jetzt warten, bis der richtige Zeitpunkt kommt.
  • So haben wir uns entschieden, im Moment abzuwarten, bis dieser ungewisse Zustand einigermaßen beigelegt ist. Dennoch bemühen wir uns weiter, Kontakt mit der Krisenregion aufzunehmen, um die Evakuierung zu beschleunigen. So lange werden die Spenden noch in Deutschland bleiben. Geduld ist das, was wir alle brauchen.
  • Alle Vorbereitungen sind bereits getroffen. Man könnte die Kinder zu jeder Zeit in der Jugendherberge Okinawa Kokusai aufnehmen. Vor Ort werden folgende Schritte eingeleitet:
  • Ein Blog wird in Japan eingerichtet und über das aktuelle Leben der Opfer auf Okinawa in Japanisch und Deutsch berichtet.
  • Die Kinder werden von ehrenamtlichen Helfern, Ärzten und Psychologen betreut.
  • Die Kinder werden von den örtlichen Grund- u. Mittelschulen aufgenommen, wenn der Aufenthalt länger dauert.
  • So weit wurde es bereits mit der Präfektur Okinawa und deren Bildungsausschuss abgesprochen. Die Präfektur Okinawa steht voll hinter dem Projekt.
  • Wir sind zuversichtlich, dass Kinder/Jugendliche sich schnell vom Schock erholen würden, wenn sie die Wärme Okinawas spüren und im blauen Meer zwischen Korallenriffen schwimmen und mit dem Herbergsvater und den ehrenamtlichen Helfern Kanu fahren, Schnorcheln und auf Wanderungen gehen.

Zum Spendenaufkommen:

  • Wir haben inzwischen ein Spendenaufkommen von über 30.000 EUR dank der unbeschreiblichen Solidarität aus der Bevölkerung. Trotzdem kann ein Monat Aufenthalt in der JH für 100 Menschen um 65.000 EUR kosten, wobei der Herbergsvater das Haus kostenlos zur Verfügung stellt. Allem Anschein nach kann sich der Aufenthalt wegen der atomaren Katastrophe noch verlängern.
  • Umso mehr ist es unser Ziel, Kindern und Jugendlichen langfristig zu helfen. Wir bitten Sie eindringlich, uns bei unserem Projekt weiterhin zu unterstützen.

Unser Blog www.hilfefuerjapan2011.de informiert Sie über unsere Maßnahmen und weiteren Erfolge.

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Stand 24. März 2011

Die Deutsch-Japanische Gesellschaft holt Kinder und junge Mütter mit Kleinkindern aus dem Katastrophengebiet. Unterstützen Sie uns!

Nach ihrem Appell vom 15.03. in den Medien an die Bürger,  japanischen Erdbebenopfern zu helfen und für sie zu spenden hat die Deutsch-Japanische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft NRW e.V. beschlossen, den gespendeten Betrag dem folgenden Projekt zukommen zu lassen:  Hauptsächlich Kinder, Jugendliche und junge Mütter mit Kleinkindern, zu einem sicheren Ort, d.h. nach Okinawa zu bringen – Okinawa befindet sich gut 2000 km vom Katastrophengebiet entfernt. In der Jugendherberge Okinawa können 100 Leute Platz finden. Sie sollten dort für einen Monat bleiben können und bei Bedarf länger.
Partner vor Ort ist der Jugendherbergsverband der Okinawa Präfektur mit seinem Präsidenten Herrn Mikio Higa und dem Projektleiter und Jugendherbergsmanager der Okinawa Kokusai JH Herrn Seiji Fukushima. Ein Monat Aufenthalt dort für 100 Personen kostet ca. 65.000,-EUR. Dabei stellt der Herbergsmanager das Haus kostenlos zur Verfügung. Angesichts der aktuellen Situation der Kernkraftwerke könnte sich der Aufenthalt verlängern.  Erste Anfragen sind aus den Präfekturen Iwate, Ibaragi und Fukushima eingegangen. Die Präfektur Okinawa hat bereits Beamten geschickt, um zu klären, welche Personen evakuiert werden sollen.
Vor Ort werden die Kinder von ehrenamtlichen Helfern, Ärzten und Psychologen betreut. Sie werden von den örtlichen Grund- u. Mittelschulen aufgenommen, wenn der Aufenthalt länger dauern sollte.